Beim 1-2 gegen Manchester City muss Liverpool die erste Niederlage der Premier League-Saison hinnehmen. Die Reds zeigten gegen schnelle Citizens vor allem defensive Wackler. 

Liverpool und Manchester City lieferten sich erneut ein Duell auf höchstem Niveau. Die Sky Blues gingen nach einem Treffer von Sergio Aguero noch vor der Pause in Führung, nachdem die Reds den Ball auf der anderen Seite nur elf Millimeter weit nicht über die Linie brachten.

Nach dem Seitenwechsel taten sich beide Mannschaften zunächst schwer, schliesslich kam Liverpool durch Roberto Firmino zum lang ersehnten Ausgleich. Dieser hielt allerdings weniger als zehn Minuten, ehe City durch Leroy Sane wieder in Führung gehen konnte.

Trotz viel Druck in den Schlussminuten musste Liverpool am Ende die erste Saisonniederlage in der Premier League hinnehmen. Dabei gab es viel zu sehen, sowohl auf als auch neben dem Feld…

Ein hochstehendes Spiel

Vorab: die nachfolgenden Kritikpunkte bedeuten ein Jammern auf hohem Niveau. Denn Liverpool und Manchester City lieferten sich am Donnerstagabend einmal mehr ein Spiel auf höchstem Niveau. Beide Teams bewiesen, dass sie derzeit zu den besten Mannschaften Europas gehören.

Manchester City’s German midfielder Leroy Sane shoots to score their second goal during the English Premier League football match between Manchester City and Liverpool at the Etihad Stadium in Manchester, north west England, on January 3, 2019. (Photo by Oli SCARFF / AFP)

Nach einer nervösen ersten Viertelstunde fanden beide Teams immer besser in das Spiel und lieferten sich ein packendes Duell mit scharfen Zweikämpfen, schnellem Umschaltspiel und vor allem guten Offensivkräften.

Liverpool fehlten zu Beginn nur 11 Millimeter, um den Ball zur Führung über die Linie zu bringen. Wahrscheinlich hätte dieser Treffer am Ende auch ein 2-2 Unentschieden bedeutet, sodass die Reds wenigstens einen Punkt mitnehmen hätten können.

So reichte es am Ende trotz einer kämpferischen Leistung nicht für einen Punkt, auch dank vielen kleinen Fehlern. Diese schauen wir uns in der Folge genauer an, ohne dabei jedoch den Willen und die Kampfeslust der Mannschaft in Frage zu stellen. Denn diese Dinge waren mehr als vorhanden – am Ende entschieden die Details über Sieg oder Niederlage.

Liverpool mit ungewohnten Patzern in der Defensive

Bereits die ersten Minuten offenbarten, wie sehr Manchester City die gegnerische Defensive fordern würde. Mit Leroy Sane und Sergio Aguero standen nicht umsonst zwei der besten Offensivspieler für die Sky Blues auf dem Feld. Dass die Defensive der Reds allerdings so nervös agieren würde wie in der ersten Halbzeit, war kaum abzusehen.

MANCHESTER, ENGLAND – JANUARY 03: Jurgen Klopp, Manager of Liverpool reacts during the Premier League match between Manchester City and Liverpool FC at the Etihad Stadium on January 3, 2019 in Manchester, United Kingdom. (Photo by Shaun Botterill/Getty Images)

Noch am vergangenen Wochenende zeigte sich die Viererkette rund um Virgil van Dijk abgeklärt und sicher, doch gegen City unterliefen den Spielern bereits früh unnötige Fehler. Alisson Becker haute bereits nach wenigen Sekunden einen Rückpass unnötig ins Aus, auch sonst wirkten die Spieler rund um den eigenen Strafraum nicht sicher.

Vor allem die rechte Seite wurde von den Reds sträflich vernachlässigt. Immer wieder kam Sane praktisch ungedeckt in den Strafraum hinein, sowohl Trent Alexander-Arnold und Dejan Lovren liessen den deutschen Nationalspieler ohne Gegenwehr passieren.

So war es denn auch kein Wunder, dass City über die rechte Seite in Führung ging. Dieses Mal war es Aguero, der ohne Gegenwehr zum 1-0 einnetzen konnte. Auch die 2-1 Führung durch Sane kam erneut über die rechte Defensivseite der Reds.

Sowohl Lovren als auch AlexanderArnold kamen mit dem Tempo der Citizens kaum zurecht und werden sich wohl nach dem Spiel einiges an Kritik anhören müssen.

Vom 4-3-3 zum 4-4-2

Liverpool stellt sich mittlerweile standardmässig im 4-3-3 System auf. Vier Verteidiger, drei Spieler im Mittelfeld und ein offensives Trio waren bisher das Rezept von Klopp zum Sieg. Gegen Manchester City war allerdings immer wieder eine leichte Umstellung sichtbar.

MANCHESTER, ENGLAND – JANUARY 03: Mohamed Salah of Liverpool is challenged by Ilkay Gundogan of Manchester City during the Premier League match between Manchester City and Liverpool FC at the Etihad Stadium on January 3, 2019 in Manchester, United Kingdom. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Vor allem beim aggressiven Spiel der Citizens nach vorne liess sich Mane immer wieder in das Mittelfeld zurückfallen, während Henderson, Milner und Wijnaldum ein wenig nach rechts rückten. So versuchten die Reds, die offenen Räume auf den Aussenpositionen zu schliessen, was allerdings nicht immer gelang.

Zeitweise fand sich auch Salah im Mittelfeld wieder, so dass beinahe eine Fünferkette im Mittelfeld entstand. Liverpool erweckte dadurch während dem ganzen Spiel mehr den Eindruck einer defensiv orientierten Mannschaft als eines Teams, welches den unbedingten Zug auf das gegnerische Tor suchte. War es Angst oder Nervosität? Klar ist, dass das Spiel nicht so geklappt hat wie gewünscht.

Eine wunderschöne Kombination zum Ausgleich

Das Mannschaftsspiel funktionierte am Donnerstag nur partiell. Wenn es denn aber einmal lief, dann tat es dies perfekt, so beispielsweise beim Ausgleich durch Firmino. Der Treffer basierte nämlich nicht nur auf dem Querpass von Robertson, sondern auch auf einer wunderbaren Flanke von Alexander-Arnold.

MANCHESTER, ENGLAND – JANUARY 03: Roberto Firmino of Liverpool celebrates after scoring his team’s first goal with his team mates during the Premier League match between Manchester City and Liverpool FC at the Etihad Stadium on January 3, 2019 in Manchester, United Kingdom. (Photo by Clive Brunskill/Getty Images)

Der Rechtsverteidiger lief an und trat den Ball einmal schräg über das gesamte Feld zu seinem Defensivkollegen, der sich bereits vor dem gegnerischen Tor in Stellung brachte. Doch anstatt eigennützig abzuschliessen, entschied sich Robertson noch einmal für den sicheren Querpass zu Firmino, der nur noch einköpfen musste.

Liverpool bewies mit diesem genialen Zug, dass es trotz einem starken Gegner die Grundlagen des Fußballs mehr als nur beherrscht. Hätten wir am Donnerstag noch mehr von diesen Spielzügen gesehen, wäre wohl auch deutlich mehr möglich gewesen.

Die Stammspieler sind müde

Die vielen Spiele über die Weihnachtszeit waren Liverpool am Donnerstag deutlich anzumerken. Das Team legte nicht den bisher gewohnten Biss an den Tag und wirkte zeitweise überfordert mit dem schnellen Spiel der Citizens. Natürlich hatten die Reds auch einen Gegner von Weltklasse-Format, doch so defensiv wie am Donnerstag erlebte man die Mannschaft von Jürgen Klopp nur selten.

Liverpool’s English midfielder James Milner reacts after they go behind during the English Premier League football match between Manchester City and Liverpool at the Etihad Stadium in Manchester, north west England, on January 3, 2019. (Photo by Oli SCARFF / AFP)

Das hat sicherlich auch mit einer gewissen Müdigkeit zu tun. Vor allem Alexander-Arnold war deutlich langsamer unterwegs als noch in den letzten Spielen, auch Mané und Salah liessen ihre gewohnte Spritzigkeit vermissen. Selbstverständlich jammern wir dieses Mal auf hohem Niveau, doch bei einem Titelkandidaten soll dies auch erlaubt sein.

Klopp dürfte froh sein, dass es als nächstes im FA Cup weitergeht. Zwar steht mit den Wolverhampton Wanderers eine Premier League-Mannschaft als Gegner bereit, doch beide Mannschaften dürften sich vor allem auf die Liga konzentrieren und am Montag kräftig rotieren. Einige Spieler bei Liverpool dürfen sich ausruhen und endlich mal wieder eine Pause geniessen – definitiv eine Genugtuung nach all diesen vielen Spielen.

Seitdem Sven die Reds im Jahr 2012 mehr zufällig bei einem Premier League-Spiel am Fernseher entdeckte, sitzt er bei jedem Spiel des LFC vor dem Flachbildschirm und drückt dem besten Team der Welt die Daumen - und schreibt nebenbei auch noch Artikel für die LFC Familie.