Am Montag taucht Liverpool mit einem Spiel gegen die Wolverhampton Wanderers in den diesjährigen FA Cup ein. Doch wie wichtig ist der Pokal für die Reds überhaupt?

Liverpool reist am Montagabend zum Premier League-Rivalen Wolverhampton und kämpft dort um den Einzug in die vierte Runde des FA Cup. Für die Reds ist es das erste Spiel im diesjährigen Pokalwettbewerb, standardmässig greifen die Teams aus dem englischen Oberhaus erst in der dritten Hauptrunde ein.

Seit dem Sieg gegen West Ham im Jahre 2006 konnte Liverpool die prestigeträchtige Trophäe nicht mehr gewinnen. Vor sechs Jahren zog die Mannschaft zwar in das Finale ein, verlor dort allerdings gegen Chelsea. Doch wie wichtig ist der Pokal in diesem Jahr für Liverpool? Sollten die Reds so lange wie möglich im Wettbewerb bleiben und so hoffen, endlich wieder einmal eine Trophäe zu gewinnen? Oder setzt Trainer Jürgen Klopp den Fokus lieber auf die Premier League?

Liverpool ist in der Premier League so gut unterwegs wie noch nie. Nach 21 Spieltagen und damit mehr als der Hälfte aller zu absolvierenden Spiele findet sich die Mannschaft auf dem ersten Rang der Liga, vier Punkte vor Manchester City und mit fünf Zählern Abstand auf Tottenham. Für die Reds eine hervorragende Ausgangslage für den Rest der Saison.

Liverpool’s Spanish defender Alberto Moreno (L) vies with Chelsea’s Nigerian midfielder Victor Mosesduring the English League Cup third round football match between Liverpool and Chelsea at Anfield in Liverpool, north west England on September 26, 2018. (Photo by Paul ELLIS / AFP)

Dass eine solche Führung allerdings noch lange nichts bedeutet, zeigte sich in den vergangenen Jahren immer wieder. Vielfach gewann die Mannschaft, welche an Weihnachten die Liga anführte, am Ende auch die Meisterschaft. Nur zwei Mal war dies in den vergangenen zehn Jahren nicht der Fall: beide Male stand Liverpool über die Festtage ganz oben, am Ende reichte es doch nicht für den lang ersehnten Titel.

Den FA Cup kampflos hergeben? Niemals!

Doch wer sich nun denkt, dass man den Fokus aufgrund dieser Historie lieber auf den FA Cup legen sollte, um am Ende der Saison wenigstens eine Trophäe in der Hand zu halten, der irrt. Noch nie konnte sich Liverpool nämlich so überzeugend präsentieren wie in diesem Jahr. Unter Klopp ist das Team zu einer richtigen Einheit geworden, hat Hochs und Tiefs durchlebt und ist trotzdem mehrheitlich zusammengeblieben.

Spieler wie Xherdan Shaqiri sitzen zwar oft auf der Bank, doch bei einer allfälligen Einwechslung setzen sie sofort ein Zeichen. Nicht selten konnte zuletzt ein Joker die Partie zugunsten des Liverpool FC entscheiden. Dass dieser Lauf auch in den kommenden Wochen fortgesetzt werden sollte, ist mehr als nur selbstverständlich. Noch nie erschien die Meisterschaft so greifbar wie in diesem Jahr und viele Fans haben sich bereits mit dem Gedanken angefreundet, dass es dieses Jahr doch endlich wieder einmal klappen muss.

Auf der anderen Seite kann der FA Cup auch als eine Art Lebensversicherung für den Fall, dass es am Ende nicht klappen sollte, angesehen werden. Denn der FA Cup ist nicht einfach nur ein gewöhnlicher Pokalwettbewerb, sondern ein äusserst prestigeträchtiges Turnier. Dem Gewinner wirken Ruhm, Ehre und ein Platz in Europa in der kommenden Saison.

Liverpool’s Spanish defender Alberto Moreno (R) celebrates scoring their fifth goal during the pre-season friendly football match between Liverpool and Napoli at the Aviva Stadimum in Dublin on August 4, 2018. (Photo by Paul FAITH / AFP) (Photo credit should read PAUL FAITH/AFP/Getty Images)

Ein Sieg im kommenden Mai würde viele Fans auch wieder einmal zufriedenstellen, denn dann hätte Liverpool nach einer langen Durstrecke tatsächlich wieder einmal eine Trophäe für den Schrank an der Anfield Road. Doch ganz zufrieden dürften die Supporter dann doch nicht sein, denn das oberste Ziel ist und bleibt die Meisterschaft.

Und damit ist auch der entscheidende Punkt erwähnt: Klopp kann und will nicht in jedem Wettbewerb ganz vorne mit dabei sein. Zu viele Spiele stehen in den kommenden Wochen und Monaten an, die Reds haben nebst der Premier League auch noch ein Wörtchen in der Champions League mitzureden. Bei solchen Aussichten ist klar, dass der FA Cup nicht die oberste Priorität hat.

Die Ersatz- und Reservespieler motivieren

Das zeigte sich auch am Freitag, als Klopp in seiner Pressekoferenz ungewohnt offen über seine Selektion vom Montag sprach. Viele Schlüsselspieler werden geschont und so für die kommenden Monate fit gehalten. Simon Mignolet wird zwischen den Pfosten stehen, Alberto Moreno erhält einen Einsatz als Linksverteidiger. Dazwischen dürfte der Trainer auf eine Mischung zwischen Auswechselspielern der ersten Mannschaft und jungen Spielern setzen.

Ganz hergeben möchte der Deutsche den Cup dann aber doch nicht. Es ist klar, dass der Pokal nicht die gleiche Relevanz geniesst wie die Meisterschaft oder die Champions League. Kampflos ausscheiden ist aber dennoch ein absolutes No-Go.

Für die jungen Spieler ist der Pokal eine große Chance. Sie erhalten die Gelegenheit, sich endlich einmal auf einem hohen Level unter Beweis zu stellen und so die Aufmerksamkeit der Trainer zu erwecken. Auch die Ersatzspieler werden es genießen, für einmal von Beginn weg auflaufen zu dürfen. Diese Spieler werden alles geben, um in der vierten Runde erneut noch einmal viel Spielzeit zu erhalten.

ANN ARBOR, MI – JULY 28: Head coach Jurgen Klopp celebrates with Curtis Jones #48 after Liverpool defeated Manchester United during second half of the International Champions Cup 2018 at Michigan Stadium on July 28, 2018 in Ann Arbor, Michigan. Liverpool defeated Manchester United 4-1. (Photo by Jason Miller/Getty Images)

Der FA Cup geniesst in Liverpool zwar nicht oberste Priorität, doch einfach so ausscheiden will aber trotzdem niemand. Ein gutes Resultat am Montag kann auch helfen, die Ersatzspieler zu motivieren und für die kommenden Wochen und Monate auf den Beinen zu halten. Am Ende wird für die Meisterschaft und die Champions League jeder Spieler gebraucht, unmotivierte Spieler kann sich Klopp in den kommenden Wochen nicht leisten.

Es gilt also, das Spiel am Montag ernst zu nehmen, auch wenn es kaum so intensiv oder attraktiv werden dürfte wie ein Duell gegen Manchester City. Für Klopp gilt es, einen guten Mittelweg zu finden und so alle Spieler zufrieden zu machen. Ein Sieg gegen die Wolves am Montag ist wichtig, auch der FA Cup an sich wäre ein netter Gewinn. Doch am Ende wird nicht der Pokal entscheiden, wie gut die Saison aus Sicht der Reds war, sondern die Premier League und die Champions League. Und auf diese muss sich das Team konzentrieren.

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Schweizer und Hobby-Schiedsrichter - neutraler geht es nicht. Wird nur bei den Reds uneingeschränkt parteiisch. Hat einen lustigen Akzent. Kann sich hinter Laternen verstecken.