Wir sind inmitten eines Titelkampfs mit Manchester City. Das ist schon mal unleugbar. Seit dem Beginn des Jahres 2019 hat sich unsere Form allerdings signifikant verschlechtert und unser Vorsprung kontinuierlich verkleinert. Aber wer sagt denn, dass es einfach ist?

Als langjähriger Liverpool-Anhänger ist man an Enttäuschungen gewohnt. 2008/09 den Titel an unseren alten Erzfeind Manchester United zu verlieren, war unerträglich. Über 2013/14 müssen wir gar nicht anfangen zu sprechen. Das Europa League Finale 2016 war ein weiterer Stich ins Herz. Kiew letzte Saison war nach Athen 2007 das zweite Champions League Finale, dass wir nacheinander verloren. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe absolut keine Lust, nochmals so eine Enttäuschung zu verdauen.

LONDON, ENGLAND – MAY 05: A dejected Luis Suarez of Liverpool reacts following his team’s 3-3 draw during the Barclays Premier League match between Crystal Palace and Liverpool at Selhurst Park on May 5, 2014 in London, England. (Photo by Jamie McDonald/Getty Images)

Kenny Dalglish schenkte uns 1990 das letzte Mal die Meisterschaft – seitdem ist Dürreperiode. Das Herz jedes Liverpool-Anhängers blutet, wenn der Premier League Titel Gesprächsthema ist. Die Sehnsucht nach dem 19. Titel ist unerträglich groß und wird für den ganzen Verein zur Last. Die 29 Jahre ohne Titel sind wie ein schwerer Anker, der das Schiff Liverpool daran hindert, vorwärts zu fahren. Die 19. Meisterschaft ist eine solche emotionale Blockade, dass viele im jetzigen Meisterschaftsrennen nicht hinsehen können oder nach jedem schlechten Resultat den Kopf hängen lassen.

Genießt die wilde Fahrt

Es ist sinnlos, nicht hinzusehen und den Kopf in den Sand zu stecken. Manchmal kann man das Gefühl bekommen, dass einige Fans denken, dass auf dem Weg zur Meisterschaft jedes Spiel ein unaufgeregtes und lockeres 4:0 sein muss. Das gab es nie und wird es auch nie geben. Ein 4:3 zwischendurch ist eine Achterbahnfahrt, aber ohne solche Spiele geht es nicht. Würden wir uns an das 4:3 gegen Dortmund in der Europa League so lebhaft erinnern, wenn es ein unaufgeregtes 1:0 gewesen wäre? Praktisch alle legendäre European Nights waren nicht gut für das Herz, aber perfekt für Geschichten, die noch sehr lange weitererzählt werden.

Die rivalisierenden Fans jubeln nach jedem Liverpooler Punktverlust. Das ist normal, denn das tun wir auch. Aber wir sollten uns nicht von den Spielchen der anderen anstecken lassen, denn wenn wir das zulassen, wird der Druck unerträglich. Dieser Druck ist jetzt schon extrem. Kommt noch Negativität dazu, ist das das ultimative Rezept für einen spektakulären Kollaps.

In einigen Anfield-Spielen ließen sich die Spieler von der Negativität der Fans anstecken. Virgil van Dijk sagte nach dem Leicester-Spiel, dass er die Pfiffe und Buh-Rufe wahrgenommen hatte. So helfen wir den Spielern nicht, sondern tuen das polare Gegenteil.

Die Spieler brauchen uns Fans

Wir haben die Wahl: Wollen wir uns vor, während und nach jedem Spiel in die Hosen machen und nach jedem Gegentor Weltuntergangsszenarien an die Wand malen? Das ist das Schlechteste, was wir tun könnten.

Das heißt nicht, dass wir nicht nervös sein sollten. Schließlich hat jeder loyale Liverpool-Fan das Recht, sich vor Nervosität in die Hosen zu machen. Es gibt aber ein geniales Rezept, um diese Nervosität in etwas umzuwandeln, was nicht nur uns Fans, sondern auch unseren Spieler hilft: Positiv bleiben und in den restlichen Spielen dieser Saison den LFC bedingungslos unterstützen. Die Spieler finden es nicht geil, wenn sie merken, dass die Fans in Anfield mehr mit der eigenen Negativität kämpfen, als sie mit dem Gegner.

LIVERPOOL, ENGLAND – APRIL 14: (THE SUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Liverpool coach arrives before the UEFA Europa League Quarter Final: Second Leg match between Liverpool and Borussia Dortmund at Anfield on April 14, 2016 in Liverpool, United Kingdom. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

Entscheidende Wochen stehen bevor

Wir sind uns alle einig, dass diese Saison nicht wie 2013/14 in Erinnerung bleiben soll. Um das zu erreichen, muss jeder Liverpool-Anhänger in Anfield mit gutem Beispiel voran gehen und die Spieler unterstützen. Wie das geht, wissen wir alle. Eine Atmosphäre kreieren und die Redmen mit einer Peitsche nach vorne treiben, sodass sie gar nicht mehr anders können, als zu siegen. Das This is Anfield Schild soll wieder voller Stolz über den Spielertunnel erstrahlen und Furcht und Nervosität in unseren Gegner auslösen.

Natürlich kann niemand anderen Fans vorschreiben, was sie tun sollen und was nicht. Aber ist es nicht besser, zu euphorisch zu sein als zu realistisch? Ist Fußball nicht genau dazu da, der Realität für 90 Minuten zu entfliehen? Klopp sagte bei seinem ersten Interview als Liverpool-Trainer: „We have to change. From doubter to believer“.

LIVERPOOL, ENGLAND – APRIL 14: (THE SUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Fans of Liverpool celebrate during the UEFA Europa League Quarter Final: Second Leg match between Liverpool and Borussia Dortmund at Anfield on April 14, 2016 in Liverpool, United Kingdom. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

Klopp und die Spieler brauchen uns. Also lasst uns bei jedem Spiel die Seele aus der Brust singen und die Negativität in die Mülltonne werfen. Denn ich sage jetzt, was wirklich unerträglich ist: Die lachenden Gesichter der Man City Spieler im Mai. Wir haben die Wahl, wer zuletzt lacht.

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