Am 19. Februar ist es endlich soweit – das lang ersehnte Achtelfinal-Duell mit dem FC Bayern München steht an. Champions League, Flutlicht, attraktiver Gegner, ein wiedererstarkter Liverpool FC – es scheint alles bereit für eine dieser ‘Special European Nights‘ an der Anfield Road. Doch wie sehr gefährdet der Gegner, seines Zeichens fünfmaliger Champions League-Sieger, diese spezielle Nacht? Eine Gegneranalyse.

Lässt man das europäische Supercup Finale des Jahres 2001, welches die Reds mit 3:0 gewannen, mal unberücksichtigt, ist das letzte Pflichtspielduell zwischen dem Liverpool FC und dem FC Bayern München bereits 38 Jahre her. Unter Bob Paisley setzte man sich damals gegen Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner und Co. durch und meisterte den vorletzten Schritt zum dritten Erfolg im Europapokal der Landesmeister, der heutigen Champions League. Auch die Gesamtbilanz gegen den FC Bayern ist leicht positiv. Es stehen zwei Siege und eine Niederlage bei vier Unentschieden zu Buche. Doch die Historie spielt am 19. Februar und 13. März keine Rolle mehr. Die Münchner wollen eine Saison, die am Scheideweg steht, in die richtige Richtung lenken.

Bedeutung des Spiels für den FC Bayern

Es ist für den FC Bayern nicht weniger als das bis dato wichtigste Spiel der Saison. Vor der Spielzeit noch von allen Experten und Nicht-Experten als erneut bereits feststehender deutscher Meister und DFB-Pokalsieger ausgerufen, steht man in der Liga hinter dem aufmüpfigen Verein aus Dortmund nur auf Platz zwei der Tabelle. Auch der Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale wurde trotz dominanter Leistung erst in der Verlängerung perfekt gemacht.

Das durch ‘Mia san Mia‘-geprägte Selbstverständnis des Vereins träumt doch aber von ganz anderen Sphären. Sieben Champions-League-Halbfinal-Teilnahmen seit 2010 bestätigen dies. In einer Saison, in der man eventuell zum ersten Mal seit 2011/2012 nicht deutscher Meister wird, sollte dann doch zumindest in der Champions-League etwas Zählbares herausspringen. Ein Aus im Achtelfinale wäre vor diesem Hintergrund als sehr enttäuschend einzuordnen. Vergleichbar mit der Enttäuschung, als man 2010/2011 und 2011/2012 zweimal einer anderen Mannschaft den Vortritt auf nationaler Bühne lassen musste – damals wie heute hieß der gegnerische Trainer: Jürgen Klopp.

LIVERPOOL, ENGLAND – FEBRUARY 09: (THE SUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Jurgen Klopp manager of Liverpool shows his appreciation to the fans at the end of the Premier League match between Liverpool FC and AFC Bournemouth at Anfield on February 9, 2019 in Liverpool, United Kingdom. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

Aktuelle Form des deutschen Rekordmeisters

Als Außenstehender könnte man durch die mediale Berichterstattung leicht das Gefühl bekommen, die Bayern könnten sich glücklich schätzen, angesichts der aktuellen Form nicht mitten im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga zu stecken. Ein einfacher Blick auf die vergangenen Ergebnisse stellt allerdings vieles klar: Seit Dezember vergangenen Jahres konnte der Verein aus der bayrischen Landeshauptstadt zehn seiner zwölf Pflichtspiele gewinnen. Mit Ausnahme des Bundesliga-Spiels gegen RB Leipzig wurden in diesen Spielen gegen jeden Gegner mindestens zwei Tore erzielt. Schwache Form? Mit Blick auf die Ergebnisse lässt sich das eindeutig verneinen.

Doch zum Glück besteht der Fußball aus so viel mehr als dem reinen Ergebnis nach 90 Minuten auf dem grünen Rasen. Und dieser Blick über die nackten Zahlen hinaus erklärt die unruhige Stimmung, die dieser Tage rund um die Säbener Straße zu herrschen scheint – zumindest teilweise. Das Spiel des deutschen Rekordmeisters wirkte offensiv teilweise statisch. Dazu kam die fehlende Defensivstabilität, die in zehn Gegentoren aus den vergangenen sechs Pflichtspielen resultierte. Dass in jüngerer Vergangenheit dennoch so viele Siege eingefahren werden konnten, hat vorwiegend einen Grund: Der FC Bayern ist mit einer unglaublichen fußballerischen Qualität seiner Spieler gesegnet. Dies gilt insbesondere für folgende Schlüsselspieler des anstehenden Spiels.

Schlüsselspieler im Duell gegen die Reds

Kapitän Manuel Neuer, der nach auskurierter Daumenverletzung pünktlich zum europäischen Topspiel wieder einsatzbereit ist, dürfte trotz einiger Unsicherheiten in den vergangenen Monaten noch immer über alle Zweifel erhaben sein. Auch die jüngste Pause von drei Spielen wird keine negativen Auswirkungen auf den vierfachen Welttorhüter haben.

AUGSBURG, GERMANY – FEBRUARY 15: Manuel Neuer of FC Bayern Muenchen looks on during the Bundesliga match between FC Augsburg and FC Bayern Muenchen at WWK-Arena on February 15, 2019 in Augsburg, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Zur Saison 2017/2018 von der TSG Hoffenheim zum FC Bayern gekommen, rechnete niemand damit, dass Niklas Süle anderthalb Jahre später als konstantester Innenverteidiger des damaligen Liga-Primus aufspielen würde – ist die Konkurrenz mit Mats Hummels und Jerome Boateng doch nicht gerade auf Zweitliga-Niveau. Doch insbesondere seine Schnelligkeit und sein antizipatives Stellungsspiel lassen ihn zurzeit in der Münchner Defensivzentrale unverzichtbar wirken. Stärken, mit denen sich auch Sadio Mané, Roberto Firmino und Mohamed Salah am Dienstag konfrontiert sehen werden.

Doch so stark wie sich Süle in letzter Zeit präsentierte, so inkonstant trat sein Pendant Mats Hummels auf. Trotz verbesserter Leistung am Freitag gegen Augsburg schlichen sich diese Saison häufiger Unkonzentriertheit und Defensivwackler ins Spiel des deutschen Nationalspielers. Insbesondere die fehlende Schnelligkeit könnte der sprintstarken Offensive Liverpools Räume eröffnen. Auf der anderen Seite ist gegen die kreative Spieleröffnung des ehemaligen Schützlings von Jürgen Klopp ein konzentriertes Spiel gegen den Ball elementar.

AUGSBURG, GERMANY – FEBRUARY 15: Mats Hummels of FC Bayern Muenchen runs with the ball during the Bundesliga match between FC Augsburg and FC Bayern Muenchen at WWK-Arena on February 15, 2019 in Augsburg, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Goretzka, Coman, Lewandowski – Torgefahr auf jeder Position

In Anbetracht der Liverpooler Defensive wird es im Offensivbereich der Bayern stark auf die Verfassung von Leon Goretzka, Kingsley Coman und Robert Lewandowski ankommen. Erstgenannter ist trotz des unglücklichen Eigentores im vergangenen Ligaspiel gegen den FC Augsburg der bisherige Gewinner der Rückrunde. Vier Tore sowie vermehrt offensive Akzente resultierten in der Auszeichnung zum Bundesliga-Spieler des Monats Januar. Allerdings handelte er sich bereits vermehrt einen Rüffel des Trainers wegen der offensiven Interpretation seiner Mittelfeldrolle ein. Ein Aspekt, der den Münchnern gegen das schnelle Umschaltspiel der Reds zum Verhängnis werden kann.

Offensive Akzente wird auch Kingsley Coman setzen wollen. Der Rechtsfuß, der vorwiegend auf der linken Offensivseite des FC Bayern zum Einsatz kommt und damit vermutlich auf Trent Alexander-Arnold treffen wird, entschied das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Hertha BSC und zeigte auch gegen Augsburg ein starkes Spiel mit zwei Toren. Trotz einer Verletzung kurz vor Schluss steht er dem FC Bayern an der Anfield Road zur Verfügung.

AUGSBURG, GERMANY – FEBRUARY 15: Kingsley Coman of FC Bayern Muenchen runs with the ball during the Bundesliga match between FC Augsburg and FC Bayern Muenchen at WWK-Arena on February 15, 2019 in Augsburg, Germany. (Photo by Alexander Hassenstein/Bongarts/Getty Images)

Eines der wichtigsten Duelle am Dienstag wird jenes der Liverpooler Innenverteidigung gegen Robert Lewandowski sein. Die durch Gelbsperren und Verletzungen arg gebeutelte Liverpooler Defensivzentrale steht vor der Herausforderung, einen Spieler zu stoppen, der mit seinen 30 Jahren bereits in einem Atemzug mit Stürmern wie Zlatan Ibrahimovic, Thierry Henry oder Ruud van Nistelrooy genannt werden muss – zumindest wenn es um die Torausbeute in der Champions League geht. Der Pole, der kürzlich vom ehemaligen Liverpool- und Bayern-Spieler Dietmar ‘Didi‘ Hamann im Gespräch mit Sky90 für seine Lustlosigkeit auf dem Platz kritisiert wurde, trifft auch in der laufenden Saison konstant. Seine acht Tore in der Gruppenphase waren entscheidend mitverantwortlich für den Münchener Gruppensieg. Insofern lässt sich eigentlich abschließend nur eines sagen: Danke Robert Lewandowski für diese geile Achtelfinal-Paarung – wir können es kaum erwarten!