Die weiteren Gerichtsverhandlungen über die Hillsborough-Tragödie sind in vollem Gange. Ein Experte für die Sicherheit an Fußballspielen übt darin harsche Kritik am damaligen Polizeikommandanten David Duckenfield, der für das Spiel verantwortlich war.

In wenigen Wochen jährt sich die Tragödie von Hillsborough bei der 96 Menschen ihr Leben verloren. Nachdem über Jahrzehnte hinweg die Familien der Opfer für Gerechtigkeit kämpften, läuft im Moment ein Gerichtsprozess. In den vergangenen Jahren wurden Beweise gesammelt und Anklage erhoben.

Die beiden Hauptangeklagten sind zum einen David Duckenfield, verantwortlicher Polizeikommandant des FA Cup Halbfinales zwischen Liverpool und Nottingham Forest. Die Hillsborough Tragödie ereignete sich während diesem Spiel im Hillsborough Stadion von Sheffield Wednesday. Der andere Hauptangeklagte ist Graham Mackrell, damaliger Vereinssekretär von Sheffield Wednesday. Zum vorherigen Artikel mit weiteren Hintergründen geht es hier.

Zur besseren Übersicht finden sich im Folgenden Informationen zu den Namen
David Duckenfield = Verantwortlicher Polizeikommandant während der Hillsborough-Tragödie. Angeklagt wegen Totschlags an den Liverpool-Fans.
Douglas Hopkins = War Polizeikommandant bei Arsenals altem Highbury-Stadion, aber nicht an Hillsborough beteiligt. Er äußerte den Geschworenen seine Meinung zu Duckenfields Verhalten während der Tragödie. 

Hopkins sagte vor dem Preston Crown Court aus. In seiner Aussage belastete er seinen Berufskollegen Duckenfield schwer. Hopkins glaubt, dass Duckenfield es versäumte, vor den Eingängen der Leppings Lane eine Überfüllung mit Liverpool-Fans zu verhindern.

Das Fass läuft über: Öffnung des Tor C

Infolge der Überfüllung mit Fans außerhalb des Stadions ordnete Duckenfield an, den Ausgang (Tor C) zu öffnen. Das führte dazu, dass etwa 2’000 Liverpool-Fans in die ohnehin schon überfüllten Terrassen hineinströmten. Zu diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Tragödie schon im Block. Die 2’000 zusätzlichen Fans machten die Situation nur noch schlimmer. Es kam zu Massenpanik und Liverpool-Fans wurden auf den Terrassen regelrecht zerquetscht.

Liverpool fans are crushed on the terraces during the FA Cup Semi-Final match between Liverpool and Nottingham Forest held at Hillsborough, Sheffield on 15th April 1989. Due to the Hillsborough Disaster, the match was abandoned. (Photo by Bob Thomas/Getty Images.)

Hopkins sagte aus, dass Duckenfield um 14:17 Uhr seinen Posten im Polizei-Kontrollraum hätte verlassen müssen. Ein Polizist außerhalb des Stadions fragte Duckenfield, ob es möglich sei, die Leppings Lane für den Straßenverkehr zu sperren. Diese füllte sich immer mehr mit Fans. Duckenfield blieb aber in seinem Kontrollraum.

30 Minuten später, um 14:47 Uhr, fragte der gleiche Polizist außerhalb des Stadions, ob es möglich sei, Tor C zu öffnen, um mit den vielen Fans außerhalb fertig zu werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Situation in und um das Stadion herum schon sehr brenzlig. Hopkins wurde gefragt, was seiner Meinung nach zur Überfüllung mit Liverpool-Fans geführt hatte:

„Tragischerweise war es die Abstinenz an Führung von Herr Duckenfield, sowie katastrophale Entscheidungen, die dazu führten, dass der Polizist außerhalb verlangte, Tor C aufzumachen“.

Um 14:52 Uhr ordnete Duckfield schliesslich an, Tor C zu öffnen. Etwa 2’000 Liverpool-Fans strömten in das Stadion. Duckenfield informierte die Polizisten innerhalb des Stadions nicht über diese Öffnung. Hopkins bezeichnete die Öffnung von „Gate C“ als „fatalen Fehler“.

 „Ein sorgfältiger Kommandant hätte sich viel besser vorbereitet“

Hopkins fasste seine Eindrücke zusammen:

„Ich glaube, ein umsichtiger und sorgfältiger Kommandant hätte sich viel besser auf diese Situationen vorbereitet“. Der Verhörte gab weiter zu Protokoll, dass er keine Hinweise darauf habe, dass Duckenfield in seiner Vorbereitung „relevante“ Fragen an erfahrene Kommandanten stellte.

Liverpool fans being pulled from the terraces where they were being crushed during the FA Cup Semi-Final match between Liverpool and Nottingham Forest held at Hillsborough, Sheffield on 15th April 1989. Due to the Hillsborough Disaster, the match was abandoned. (Photo by Bob Thomas/Getty Images.)

Duckenfields Verteidiger fragte Hopkins, ob alle anderen verantwortlichen Personen an diesem Tag schuldfrei seien. Dieser antwortete mit „Nein“.

Des Weiteren akzeptierten Augenzeugen, dass Duckenfield Pech hatte, an seinem ersten Spiel als Kommandant in eine solch schwierige Situation zu gelangen.

David Duckenfield streitet weiterhin jegliche Verantwortung für den Tod der Liverpool-Fans ab.

Justice for the 96

WICHTIGER HINWEIS: Dieser Artikel ist eine kompakte Zusammenfassung des aktuellen Gerichtsverfahrens. Dieses Gerichtsverfahren ist noch im Gange. Hillsborough ist ein extrem sensitives Thema, weshalb wir die Leser bitten, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen oder verletzende Kommentare zu schreiben.

Robin Wittwer
Spricht auch duch das geschriebene Wort. Romantiker und Nostalgiker, deshalb hat er Angst, dass Anfield irgendwann nicht mehr existieren wird. Nimmt Dinge oft zu Ernst. Chiffre: AnfieldFanatic1892