Der Däne Thomas Grønnemark hat sich in den letzten Monaten einen Namen in der Branche gemacht – als Einwurftrainer. Liverpools Verpflichtungen wie Alisson Becker und Fabinho Tavares sorgten Anfang der Saison für Furore und verstärkten die Mannschaft massiv doch mittlerweile wird klar, wie wichtig die „Verpflichtung“ des Dänen im Hintergrund eigentlich gewesen ist.

Thomas Grønnemark ist schon etwas herumgekommen. Er begann als Fußballer, war Teil der dänischen Sprintmannschaft, wechselte zum Bobsport und ist aktuell Freelancer im Bereich ‘Einwurftraining‘ – seit September 2018 auch für den Liverpool FC. In Interviews gab er nun Einblick in seine Tätigkeit und wie der Anfangskontakt mit Jürgen Klopp überhaupt zustande kam.

LONDON, ENGLAND – OCTOBER 22: Joe Gomez of Liverpool takes a throw in during the Premier League match between Tottenham Hotspur and Liverpool at Wembley Stadium on October 22, 2017 in London, England. (Photo by David Ramos/Getty Images)

Der 43 jährige Däne wurde anfänglich in der Branche belächelt, blieb beharrlich und hat sich mittlerweile einen Namen gemacht hat und mit Klubs wie der FC Liverpool, RB Leipzig, KAA Gent und FC Midtjylland zusammengearbeitet.

„Ich kann gut damit leben, dass ich belächelt worden bin. Skeptiker gibt es immer, aber die meisten kann ich schnell überzeugen. Sie sehen auch, dass die Zahlen Sinn ergeben. Es ist erschreckend zu sehen, auf welchem Niveau vielerorts die Einwürfe ausgeführt werden, aber das ist nur mein Vorteil, denn der Weg zur Verbesserung ist nur kurz. Das sind Spieler, die zum Teil Millionen oder Milliarden verdienen. Wenn die sich mit dem Fuß so viele Ballverluste wie beim Einwurf leisten würden, würden sie in der Serie 4 spielen“, erzählt Thomas Grønnemark im Gespräch mit dem Nordschleswiger.

‘Weirdest job in the world‘

51,33 Meter – eine Distanz, die viele nicht mal mit dem aus der Grundschule bekannten 200-Gramm-Wurfball erreichen, erzielt Thomas Grønnemark mit einem Einwurf und ist damit Weltrekordhalter. Kein Wunder also, dass er nach seinen vielfältigen sportlichen Stationen seit mittlerweile 15 Jahren im ‘Einwurf-Business‘, dem laut eigener Aussage gegenüber BBC Sport ‘weirdest job in the world‘, tätig ist. Neben den Reds hilft der Däne weiteren Mannschaften in Dänemark und Deutschland bei der Verbesserung ihrer Einwürfe.

Kontakt mit Jürgen Klopp und Einfluss in Melwood

Seine Tätigkeit bei den Reds begann im vergangenen Juli mit einem verpassten Anruf einer unbekannten Nummer während eines Familienausfluges. Da Gronnemark aber seit Jahren leidenschaftlicher Liverpool-Anhänger ist, erkannte er die Stimme auf seiner Mailbox und ordnete sie jenem Mann zu, den er sonst nur aus dem Fernsehen kannte.
„Ich bin immer schon Liverpool-Fan gewesen, und dann hatte ich plötzlich eine Nachricht von Jürgen Klopp auf meinem Anrufbeantworter. Ich war mit der Familie unterwegs, wollte ihn zurückrufen, wenn wir wieder zu Hause waren, aber auf dem Heimweg rief er dann wieder an. Ich bin rechts rangefahren und hatte plötzlich Jürgen Klopp am Telefon. Das war surreal. Er hatte von mir in der Bild-Zeitung gelesen und wollte mich auf die Trainingsanlage von Liverpool in Melwood einladen“

Kurz danach kam ein Anruf aus Leipzig – Ralf Rangnick war am Telefon. Mittlerweile wird er von dem in Hadersleben lebenden Apenrader Michael Møller vertreten.
Jürgen Klopp gab gegenüber dem LiverpoolEcho zu, dass er sofort von den Fähigkeiten und Ideen des Dänen überzeugt war und nicht lang zögerte, ihn einzustellen. Man könne nie genug Spezialisten um sich herum haben und Gronnemark hätte bereits einen positiven Einfluss gehabt.

Einen positiven Einfluss, für den er einmal im Monat für die Dauer von einer Woche nach Melwood kommt. Dort arbeitet der 43-Jährige vorwiegend mit den Außenverteidigern an deren Einwurftechnik. Unterschieden wird im Rahmen dessen zwischen drei Arten des Einwurfes – Long, Fast and Clever. Dass Grønnemark tatsächlich schon etwas bewirken konnte, zeigt das Beispiel Andy Robertson. So berichtet der Einwurftrainer, dass der Schotte bei seiner Ankunft maximal 20 Meter weit einwerfen konnte – aus Sicht von Grønnemark ein nicht zu unterschätzender Nachteil für einen Außenverteidiger, wenn unter Druck in der eigenen Hälfte eingeworfen werden muss. Nach einem halben Jahr habe Robertson seine Einwurflänge auf bis zu 27 Meter ausweiten können. Auch ‘Robbo‘ selbst zieht ein positives erstes Fazit: ‚‚Die Technik der Jungs ist schon besser geworden. Wir werden immer besser und können viel genauer einwerfen. Es ist eine gute Sache und macht für uns auf jeden Fall Sinn.‘‘

LIVERPOOL, ENGLAND – JANUARY 19: Andrew Robertson of Liverpool takes a throw-in during the Premier League match between Liverpool FC and Crystal Palace at Anfield on January 19, 2019 in Liverpool, United Kingdom. (Photo by Laurence Griffiths/Getty Images)

Kritik an Jürgen Klopp

In der Natur der Sache liegt jedoch auch, dass die ungewöhnliche Maßnahme nicht überall so positiv aufgenommen wird. So machte sich insbesondere der frühere Everton-Stürmer Andy Gray als TV-Experte bei beIN Sports über den neuen Spezial-Coach lustig. Paul Robinson, ehemaliger englischer Nationaltorwart, ging sogar noch einen Schritt weiter und hinterfragte Jürgen Klopp, wie man Trainer eines Top-Teams werden könne, wenn man nicht mal jemandem einen Einwurf beibringen könne.

Ob derartige Kritik gerechtfertigt ist, lässt sich vermutlich erst nach längerfristiger Beobachtung der Einwürfe mit Sicherheit sagen. Sollte jedoch der entscheidende Treffer zum Gewinn der Meisterschaft nach einem 27-Meter-Einwurf von Andy Robertson fallen – wir würden uns auf jeden Fall bei Thomas Grønnemark für seinen ‘weirdest job in the world‘ bedanken!