Der Liverpool FC trifft am Dienstag im Viertelfinale der UEFA Champions League auf den FC Porto. Das letzte Aufeinandertreffen der Kontrahenten liegt erst gut ein Jahr zurück und endete deutlich zu Gunsten der Reds. Ob 2019 mehr vom portugiesischen Meister zu erwarten ist und wie steinig der Weg der Reds ins Halbfinale werden könnte erfahrt ihr bei uns. 

15. März, Nyon, Auslosung Champions League Viertelfinale. Das Losglück meint es vermeintlich gut mit dem LFC. Ex-Inter Keeper Julio Cesar zieht den FC Porto als Gegner der Reds. Im Vergleich zu Juventus Turin, Manchester City oder dem FC Barcelona eine, wie so oft zitiert, „lösbare“ Aufgabe. Hinter dem portugiesischen Meister steckt allerdings weit mehr als ein Außenseiter.

Das letzte Aufeinandertreffen beider Teams liegt dabei noch nicht lang zurück. Erst im vergangenen Jahr schlugen Jürgen Klopp’s Männer Porto mit 5:0 im Hinspiel und verwalteten diesen Vorsprung mit einem 0:0 an der Anfield Road. Eine der leichteren Etappen auf dem Weg ins Champions League Finale 2018.

In diesem Jahr herrschen umgekehrte Vorzeichen, da Liverpool erst zu Hause vorlegen und sich im Rückspiel dann in Portugal beweisen muss. Die Spiele sind für den 09.04. (Di.) und den 17.04 (Mi.) terminiert. Wir wollen das Team des portugiesischen Serienmeisters nun etwas genauer unter die Lupe nehmen.

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Alles beim Alten auf der Trainerbank, Spannendes Meisterschaftsrennen

Der portugiesische Ex-Nationalspieler Sergio Conceicao ist genau wie beim letztjährigen Aufeinandertreffen in Porto der starke Mann an der Seitenlinie. Conceicao, der seit Sommer 2017 im Amt ist, bevorzugt meist ein System mit zwei Stürmern und gilt als guter Motivator. Neben diversen portugiesischen Clubs trainierte er auch den FC Nantes in Frankreich. Der FC Porto ist jedoch mit Abstand sein größter Verein.

In der heimischen Liga NOS steht Porto aktuell punktgleich mit Benfica Lissabon an der Tabellenspitze und kann sich genau wie Liverpool auf ein spannendes Meisterschaftsrennen gefasst machen. 2018 hingegen gewannen die Drachen  mit sieben Zählern Vorsprung souverän den Titel. Dem Club gelang es somit Benfica nach vier Jahren wieder vom Thron zu stürzen.

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In Sachen Transfers konzentrierte sich Porto vor allem auf die Defensive. Die Außenverteidiger Diogo Dalot (Manchester United) und Ricardo Pereira (Leicester City) verließen im Sommer den Verein in Richtung Premier League. Als Königstransfer wurde Innenverteidiger Eder Militao vom FC Sao Paulo verpflichtet. Der 21-jährige überzeugte auf Anhieb und schließt sich nach einem Jahr in Porto ab Sommer 2019 Real Madrid an. Eine Ablöse von 50 Mio. € steht im Raum.

Zudem hat sich Porto im Winter die Dienste von Pepé gesichert, der zurück in sein Heimatland wechselte. Salah, Mané und Co sollten sich also vor Provokationen und sonstigen Aktionen in Acht nehmen. Offensiv waren es hauptsächlich die Neuzugänge des Vorjahres, die sich weiter steigerten. Die Angreifer Tiquinho Soares und Moussa Marega gelten mittlerweile auch auf europäischer Ebene als respektables Sturmduo.

Schlüsselspieler und das Estadio do Dragao als Joker

Der bereits angesprochene Eder Militao ist trotz wenig Erfahrung absoluter Fixpunkt in der Defensive der Drachen und bildet mit Felipe ein solides Innenverteidigerduo. Nur 17 Gegentore in 27 Ligaspielen sprechen für sich. Ergänzt wird das Zentrum durch Außenverteidiger Alex Telles, der mit hohem Tempo und hervorragender Technik den linken Flügel beackert, gern auch mit Zug zum Tor. Der Brasilianer ist zudem etatmäßiger Elfmeterschütze.

In der Offensive hat Moussa Marega den nächsten Entwicklungsschritt gemacht. Der bullige Mittelstürmer traf in der aktuellen Champions League Saison bereits 6 Mal und gab 3 Assists. Eine Statistik, die der Reds-Defensive durchaus Kopfzerbrechen bereiten dürfte. Marega erinnert in seinen Bewegungsabläufen sehr an Romelu Lukaku und dürfte auch für die Premier League in Zukunft ein interessanter Mann sein.

Im zentralen Mittelfeld agiert Kapitän Hector Herrera seit Jahren als zuverlässiger Arbeiter mit offensiven Qualitäten. Auch deswegen wird der Mexikaner mit Atletico Madrid in Verbindung gebracht. Nicht zu vergessen ist natürlich Iker Casillas, der nun seit fast vier Jahren das Tor der Portugiesen hütet. Kein anderer Profi auf dem Platz wird im kommenden Viertelfinalduell mehr Erfahrung aufweisen können als der Spanier.

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Trotz der gewohnten Atmosphäre in Anfield ist das Estadio do Dragao als Faktor nicht zu unterschätzen, was besonders im Rückspiel gegen die Roma deutlich wurde. Das Stadion fasst 50.400 Zuschauer und ist vor allem in der Champions League eine Festung. Das Conceicao-Team gewann inklusive des Achtelfinalrückspiels alle Heimpartien und dürfte für die 0:5 Schmach aus dem Vorjahr auf Wiedergutmachung aus sein.

Portos Weg ins Viertelfinale und Reds vs. Dragons

Der FC Porto blieb in der relativ leichten Champions League Gruppe D mit Schalke 04, Galatasaray Istanbul und Lokomotive Moskau ungeschlagen. Lediglich beim Auswärtsspiel auf Schalke gab man zwei Zähler ab. Ein Statement, dass die Portugiesen in Topf 1 für die Auslosung des Achtelfinals spülte. Dort traf Porto mit der AS Roma auf den letztjährigen Halbfinalgegner des Liverpool FC. Das Hinspiel in Rom ging 1-2 verloren, ließ den Drachen aber für das Rückspiel alle Möglichkeiten.

Tiquinho besorgte nach 26 Minuten die Führung, welche prompt durch einen Elfmetertreffer von Daniele De Rossi gekontert wurde. In Halbzeit 2 erhöhte Porto den Druck und kam durch Marega zum Ausgleich ehe die Partie in die Verlängerung ging. In dieser erzielte Alex Telles per Foulelfmeter in der 117. Minute das 3-1 und öffnete somit das Tor zum Viertelfinale.

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Der Liverpool FC und der FC Porto trafen bisher insgesamt sechs mal aufeinander. Trotz der großen Europapokalgeschichte beider Clubs fanden alle diese Duelle nach 2001 statt. Die Bilanz der Reds ist dabei durchaus positiv. Keiner Niederlage stehen drei Siege und drei Unentschieden gegenüber. Sollte sich ein ähnlicher Ausgang wie im vergangenen Jahr abzeichnen, dürften alle Fans mit roten Trikots mehr als zufrieden sein, und fürs Halbfinale planen können.

Markus Pietsch
Ihn hat es 2005 erwischt - trotz Impfung. Ist fußballerisch eher der Hypiää als Carragher. Kann sich Strom leisten und schreibt deshalb gerne Nachts. Auch interessiert an anderen Bällen, speziell aus den USA. Well, that escalated quickly.