Als Jürgen Klopp den Liverpool FC übernahm, waren viele Spieler schnell überlastet, nachdem sie auf dem Platz und im Training die hohe Intensität der neuen Taktik nicht gewöhnt waren. Das hatte im Endeffekt zur Folge, dass auch einige Punkte dadurch liegen gelassen wurden. Eine schnelle Anpassung an das System war unbedingt nötig.

Die Umstellung auf das neue System scheint einige Zeit in Anspruch genommen zu haben. Selbst Jürgen Klopp musste seinen kompletten Trainingsplan umstellen, denn in England gibt es keine Winterpause und die Intensität und Frequenz der Spiele ist höher.

Vor allem zum Jahresanfang konnten wir in den ersten beiden Saisons unter Klopp einen starken Abfall der Leistungen erkennen, was sich natürlich sehr negativ auf die Punkteausbeute auswirkte.

LIVERPOOL, ENGLAND – MAY 28: (THE SUN OUT, SUN ON SUNDAY OUT)
Alex Oxlade-Chamberlain of Liverpool during a training session at Melwood Training Ground on May 28, 2019 in Liverpool, England. (Photo by John Powell/Liverpool FC via Getty Images)

Der Verein und insbesondere das medizinische Team haben jedoch enorm daran gearbeitet, ein neues System zu finden, dass die Spieler trotz des typischen Heavy-Metal-Fußball und der daraus möglichen Verletzungen für die Spieler vermeidet. Einen intensiven Einblick gewährt jetzt eine Episode des „BMJ Talk Medicine“ mit Dr. Andy Massey, Arzt beim Liverpool FC. Der Mediziner erläutert die Hintergründe der Arbeit zur Vorbeugung von Verletzungen, die mittlerweile auch andere Teams anwenden, die hochintensiven Fußball spielen möchten.

Der Podcast dauert 25 Minuten und gibt einen guten Einblick in die Arbeit von Klopp und seinen Mitarbeitern. Das fängt beim Scouting an, sagt Massey. Es geht darum, robuste Spieler zu bekommen, die in einer Saison mindestens 40 Spiele bestreiten können. Darüber hinaus werden die Spieler akribisch überprüft und das Training ist nach der bisherigen Verletzungshistorie organisiert. Wir erinnern uns an den misslungenen Medizintest von Nabil Fekir.

LIVERPOOL, ENGLAND – JANUARY 25: (THE SIUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Joe Gomez of Liverpool during a training session in the Melwood Gymnasium at Melwood Training Ground on January 25, 2019 in Liverpool, England. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

„In Liverpool wenden wir einige Methoden an, vor allem das Screening. Wir verwenden es basierend auf der Verletzungshistorie eines Spielers und führen dann Interventionen durch, die an die Verschlechterung oder die Auswirkungen auf die Aktivität angepasst sind, die wir bei diesem Screening feststellen. Wir alle wissen, dass frühere Verletzungen die Wahrscheinlichkeit, wieder denselben Schaden zu erleiden, um das drei- oder vierfache erhöhen können. Deshalb konzentrieren wir uns darauf und halten es so einfach wie möglich. Wir schauen uns insbesondere Spieler an, die größere Chancen für bestimmte Verletzungen haben.“

Darüber hinaus liegt der Schwerpunkt auf der Organisation von Trainingslagern in südlichen Gefilden, in denen das Risiko von Verletzungen geringer ist und ob es besser wäre, die Spieler ausruhen zu lassen, als Zeit mit dem Transport zu Trainingslagern und Wettbewerben zu verbringen, in denen sie noch keine besondere Rolle spielen können oder müssen.

LIVERPOOL, ENGLAND – MARCH 26: (THE SUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Trent Alexander-Arnold of Liverpool during a training session at Melwood Training Ground on March 26, 2019 in Liverpool, England. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

„Wir prüfen auch, ob ein freier Tag relevanter sein kann als eine Taktikeinheit“, sagt Massey. Es ist jedoch nicht Sache des medizinischen Personals, ob es Zeit für Pausen gibt oder nicht. Das ist am Ende die Entscheidung von Jürgen Klopp.

„Es ist etwas, worum Klopp sich kümmert und wenn jemand nicht verletzt ist, fällt es mir oft schwer, zu sagen, dass man nur 45 oder 60 Minuten spielbereit ist. Es ist immer eine schöne runde Zahl. Um ehrlich zu sein, fragt dann Klopp manchmal „warum sind es genau 45 und nicht 60 oder 90 Minuten?“, sagt Massey im Podcast.

LIVERPOOL, ENGLAND – MAY 28: (THE SUN OUT, SUN ON SUNDAY OUT) Jurgen Klopp manager of Liverpool during a training session at Melwood Training Ground on May 28, 2019 in Liverpool, England. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

„Und manchmal ist es schwierig, es zu erklären, deshalb versuche ich, die Dinge so einfach wie möglich zu halten: Ist der Spieler bereit oder nicht. Ist es für den Spieler oder den Verein am besten, ihn spielen zu lassen? Es geht darum, Klopp so viele Informationen wie möglich zu geben. So kann er entscheiden, ob er den Spieler aufstellen möchte“.

Andy Massey erklärt, das Wichtigste sei die Planung und Kommunikation zwischen den Abteilungen in Liverpool, mit Trainer und Manager, mit den Spielern und mit den jeweiligen Nationalmannschaften. Darüber hinaus ist es ausserdem unabdingbar, dass auch Spieler, die nicht gespielt haben, einer Art „Stimulus“ auszusetzen, um den physischen Eindruck und die Ernährung aufrechtzuerhalten, die der Spieler haben muss, um auf seinem Fitness-Level zu bleiben.

Wir empfehlen für einen fantastischen Eindruck in die Arbeit die komplette Folge intensiv zu hören. Die Reds sind wahrlich in guten Händen.