Auf dem Platz lieferte der Liverpool FC mit dem zweiten Platz in der Premier League und nicht zuletzt mit dem Gewinn der Champions League eine Saison ab, mit der Manchester United bei weitem nicht mithalten konnte. Laut Kieran Maguire, Dozent an der University of Liverpool im Bereich Football Finance, überzeugten die Reds auch abseits des Rasens.

Im Podcast Blood Red: The Liverpool FC Podcast erklärt Kieran Maguire, wie der Liverpool FC die finanzielle Lücke zum 55 Kilometer weiter östlich liegenden Erzrivalen Manchester United schließen kann. Noch liegt der Verein aus dem roten Teil Manchesters unter Umsatz- und Gewinngesichtspunkten vor den Reds. So gaben die Red Devils für die Saison 2017/2018 einen Umsatz von knapp 660 Millionen Euro an während an der Merseyside 507 Millionen Euro umgesetzt wurden.

Liverpool durchbricht magische Schallmauer für TV-Gelder

Der Gewinn, der sich vor Steuern auf knapp 140 Millionen Euro – dem größten Gewinn in der Geschichte des Liverpool FC – belief, wurde direkt in Neuverpflichtungen wie Alisson Becker oder Fabinho sowie Vertragsverlängerungen beispielsweise mit Mohamed Salah, reinvestiert. Entscheidungen, die sich knapp zwölf Monate und eine bemerkenswerte Saison später, als goldrichtig herausstellten. Allein durch TV-Gelder wurde im Laufe der Saison mehr als eine Viertel Milliarde Britische Pfund erlöst, womit der Verein der erste jemals ist, der diese Schallmauer durchbrochen hat.

MADRID, SPAIN – JUNE 01: (THE SUN OUT, THE SUN ON SUNDAY OUT) Alisson Becker of Liverpool lifting the UEFA Champions League trophy the UEFA Champions League Final between Tottenham Hotspur and Liverpool at Estadio Wanda Metropolitano on June 01, 2019 in Madrid, Spain. (Photo by Andrew Powell/Liverpool FC via Getty Images)

Zahlen wie diese, sowie die Aussicht auf einen neuen, äußerst lukrativen Trikot-Deal, lassen Kieran Maguire, einen der führenden Experten im Bereich der Fußballfinanzierung, mutmaßen, dass die Lücke zu Manchester United in Zukunft deutlich reduziert werden kann. “[…] der Erfolg, den Liverpool in dieser Saison hatte, wird den Abstand wahrscheinlich um 44 bis 55 Millionen Euro reduziert haben.“

Globalisierung – aber in vernünftiger Balance

Als Hauptargument machte Maguire das Einkommen an Spieltagen aus. Durch die überragende Champions-League-Saison konnten vergleichsweise mehr Heimspiele ausgetragen werden, die im Premium-Segment anzusiedeln und damit für den Verein deutlich lohnenswerter sind. Ein weiterer Faktor sei der Ausbau des Main Stands, der die Kapazität Anfields und damit die Gewinne an Spieltagen weiter erhöht hat.

LIVERPOOL, ENGLAND – SEPTEMBER 10: General view of the new stand during the Premier League match between Liverpool and Leicester City at Anfield on September 10, 2016 in Liverpool, England. (Photo by Michael Regan/Getty Images)

Im Podcasts spricht Maguire auch die Globalisierungsfortschritte beider Vereine an. “United ist eine globale Marke und ein globaler Klub, aber Liverpool befindet sich aufgrund der Erfolge unter Jürgen Klopp sowie der Historie des Vereins mittlerweile auf einer Stufe mit ihnen.“ Nicht zu verachten sei jedoch, eine gewisse Balance zwischen Regionalität, Globalisierung und vorallem fußballerischen Erfolgen zu wahren. Niemals dürften kommerzielle Anliegen die fußballerischen Entscheidungen beispielsweise in Bezug auf Transfers oder Vertragsverlängerungen überschatten.

Sportliche und finanzielle Erfolge stärken Marktposition

Dass die Reds auch im anstehenden Transferfenster die Möglichkeit hätten, groß zu investieren, dürfte unter Berücksichtigung der jüngsten Erfolge, sowohl in sportlicher als auch finanzieller Hinsicht, nicht überraschen. “Sie könnten nahezu jeden Spieler verpflichten, wenn sie wollten. Wenn Jürgen Klopp der Meinung ist, dass in bestimmten Bereichen des Kaders noch qualitativ nachgebessert werden müsste, dann könnten sie auf jeden Fall 160 Millionen Euro für einen Spieler ausgeben. Hinzu kommt der Aspekt, dass Liverpool nicht den Druck hat, Spieler verkaufen zu müssen und dass die Spieler den Verein auch nicht verlassen wollen. Es gab derartige Vorgänge mit Coutinho, Luis Suárez oder Raheem Sterling, aber ich denke, derartige Aktionen wird es für eine Weile nicht mehr geben. Daher befinden sie [Liverpool, Anm. d. Red.] sich wirklich in einer starken Marktposition“, so der Fußballfinanz-Dozent.

Marvin Schulz
Statt Bravo Fanposter hingen Fernando Torres Bilder an der Wand im Jugendzimmer. Nach seinem Transfer wurde schnell klar, dass es nicht der Spieler, sondern der Verein ist, der ihn so fasziniert. Heute klebt nicht mal ein Wandtattoo auf seinen Wänden.